Der Struve-Bogen – Wissenschaft zum Anfassen

Er ist eine der sieben UNESCO-Welterbestätten in Norwegen. Doch der Struve-Bogen reicht über die Grenzen des Landes hinaus, da er aus einer Kette wissenschaftlicher Messstationen besteht und sich von Nordnorwegen bis ans Schwarze Meer erstreckt. Was es damit auf sich hat, erfahren Sie hier.

Ein deutscher Astronom ist für den Struve-Bogen verantwortlich

Im 19. Jahrhundert war an ein modernes Navigationssatellitensystem wie GPS noch nicht zu denken. Die Vermessung der Erde, selbst in kleinen Teilen, war deshalb ein sehr aufwendiges Unterfangen. Und so dauerte die Errichtung des Struve-Bogens knapp 40 Jahre, von 1816 bis 1855. Seinen Namen hat er von dem federführenden deutsche Astronom Friedrich Georg Wilhelm von Struve, der von 1793 bis 1864 lebte. 2005 wurde sein Lebenswerk von der UNESCO auf die Welterbeliste gesetzt. Der Struve-Bogen ist sozusagen das erste wissenschaftliche Messinstrument, dem dieser Titel verliehen wurde.

Das steckt hinter dem Struve-Bogen

struve bogen ganzDie Wissenschaftler wollten damals die Erdoberfläche akkurat geodätisch vermessen. Mit dem Struve-Bogen schufen sie die erste exakte Vermessung eines großen Abschnitts eines Meridians, also eines Längengrads. Dieser Meridianbogen erstreckt sich von Hammerfest in Norwegen über die Stadt Tartu in Estland bis nach Staro-Nekrassowka in der Ukraine am Schwarzen Meer. Auf einer Strecke von rund 2820 Kilometern befinden sich 265 Vermessungspunkte, die links oder rechts dieser auch als Tartu-Nullmeridian bekannten Strecke liegen. Aus diesen Punkten lassen sich sogenannte Vermessungsdreiecke bilden, mit deren Hilfe dann die eigentliche Vermessung möglich wird. Nur zwei der Messstellen befinden sich nicht im Freien. Dazu gehört das Observatorium in Tartu, das im Zentrum des Bogens steht. Übrigens: Mit den heutigen technischen Mitteln (GPS, Computer) geht die Vermessung natürlich exakter, was aber die Leistung der Vermessungspioniere von damals in keiner Weise schmälert.

Der Struve-Bogen in Norwegen

Unter UNESCO-Schutz stehen 34 der 265 Messpunkte in den zehn Ländern Norwegen, Schweden, Finnland, Russland, Estland, Lettland, Litauen, Weißrussland, Moldawien und Ukraine. Und wie sieht das aus? Ganz verschiedenen! Mal ist die Messstelle ein in einen Felsen gebohrtes Loch, mal ein Eisenkreuz, ein Steinhügel oder ein eigens errichteter Obelisk. Ein solches Bauwerk finden Sie zum Beispiel in Hammerfest im Norden Norwegens, gleichzeitig der nördlichste Punkt des Struve-Bogens. Die drei weiteren norwegischen Messpunkte liegen auf den Bergen Lille-Raipas, Lodiken und Baelljasvarri, ebenfalls nördlich des Polarkreises.

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