Die gefiederten Bewohner der Varanger-Halbinsel

Die Bewohner der Varanger-Halbinsel in äußersten Nordosten Norwegens haben seltsame Namen: Raufußbussard, Merlin, Sumpfohreule, Regenbrachvogel. Für Kenner ein eindeutiges Signal, dass hier seltene Vögel heimisch sind. Und die sind auch für alle anderen Naturfreunde unbedingt einen Besuch wert.

Leere Landschaft voller Leben

Zugegeben, viel los im herkömmlichen Sinn ist auf der Varanger-Halbinsel nicht. Die Landschaft ist sogar ziemlich leer – aber genau das ist ihr größter Trumpf: Hier gibt es Ruhe und Abgeschiedenheit in unendlichem Maß. Und damit ist die Varanger-Halbinsel sehr anziehend für alle, die ungestörte Stille suchen, wandern und die Gegend erkunden wollen.

Nun ja, Stille: Vögel können ganz schön laut sein. Aber ihre Stimmen und Rufe werden wohl von keinem Interessierten als Krach empfunden. Im Gegenteil: Man lauscht ihrem Gesang fasziniert – wo hat man denn sonst schon die Gelegenheit, Zwergfalken, Polarbirkenzeisige, Limikolen oder sogar Seeadler zu hören. Wenngleich letztere nicht als Sänger bekannt sind, sondern eher Schreie ausstoßen.

Auch das gehört in diese leere, aber von Leben angefüllte Landschaft: die Jagd. Wer ein etwas geschulteres Ohr hat, erkennt schnell, ob Vögel aufgeregt rufen, weil sie einen Feind in den Lüften oder am Boden entdeckt haben. Andere schreien, wenn Sie auf Jagd sind.

Geführte Touren auf der Varanger-Halbinsel

Es kommt nicht selten vor, dass Besucher der Varanger-Halbinsel hier oben in arktischen Gefilden zu Vogelfreunden werden. Allerdings ist es sehr hilfreich, wenn man dafür eine Einführung bekommt. Experten wissen, wo man zu welcher Zeit die teils scheuen Tiere intensiv beobachten kann und wie man sich dabei am besten verhält. Dafür wird man mit einzigartigen Eindrücken und Erlebnissen belohnt.

Fast ein Pflicht-Stopp sind die Vogelfelsen von Ekkerøy. Hier sieht man alles, was gern Fisch frisst und sich zum Fang kopfüber in die Fluten stürzt. Ruhe gibt es hier nun aber garantiert keine, denn ohne Ende schreien und kreischen Möwen, Skuas, Gelbschnabel- oder Papageientaucher, um ihren Brut- oder Rastplatz zu verteidigen, Partner anzulocken oder anderweitig zu kommunizieren.

Die Varanger-Halbinsel hat mehrere Reviere, in den besondere Vogelarten heimisch sind – neben dem Felsen von Ekkerøy gehört auch die Gegend um Hamningsberg an der Barentsee oder die Bucht von Varangerbotn dazu. Aber generell gibt es immer und überall Tiere zu sehen, an den Steilküsten oder auf den Seen im Inneren der Halbinsel. Varanger ist Norwegens Vogelparadies Nummer eins. Nirgendwo sonst findet man die Habitate von Wasser-, Land-, Berg- und Seevögeln so dicht beieinander.

Varanger-Halbinsel – karger, faszinierender Norden

Aufgrund der nördlichen Lage wird es auf der vom Tana- und vom Varangerfjord begrenzten Halbinsel zwischen Mai und Juli nicht richtig dunkel. Die Höhenlage – auch wenn es nur 600 Meter sind – lässt auf den Tundra-Ebenen keine Bäume mehr wachsen. Und die Lage am Eismeer lässt ganz zu recht erwarten, dass man es hier oben mit niedrigeren Temperaturen zu tun hat.

Trotzdem: Kein Naturfreund sollte sich die Varanger-Halbinsel entgehen lassen, In den kleinen Orten wie Berlevag, Nesseby, Vardö oder Vadsö findet man passende Unterkünfte vom Hotel über Campingplätze bis zu Lodges draußen in der Natur. Und die Norweger freuen sich immer, wenn jemand den Weg hier herauf findet und nicht nur das Naturerleben, sondern das ganz besondere Lebensgefühl mit ihnen teilt.

Bild: CH – Visitnorway.com