Trolle in Norwegen – die geheimnisvollen Naturbewohner

Niemand kann ihnen auf einer Norwegenreise entgehen, keiner kann sie übersehen – zumindest als Souvenir sind Trolle überall. Und in der Mythologie des Landes waren sie schon immer präsent: Bereits die nordgermanische Sprache kannte den Begriff „Troll“ und bezeichnete damit ein unheimliches, meist riesenhaftes Naturwesen. Bis heute gehören sie hier im Norden zum Alltag.

Wirklichkeit oder Einbildung?

Wer nun aber meint, die Begegnung mit berühmten norwegischen Fabelwesen sei allein auf die Troll-Figuren in den Andenken-Geschäften des Landes beschränkt, sollte vielleicht seine Sinne schärfen. Hatte nicht in der vergangenen Nacht die Zeltplane so merkwürdig geflattert, obwohl es eigentlich windstill war? Und die Gartenmöbel auf der Terrasse des Ferienhauses – die hatten doch beim Dunkelwerden irgendwie ganz anders gestanden … Und waren Sie heute nicht an so einem merkwürdigen Verkehrsschild vorbeigekommen, auf dem ein barfüßiger, bärtiger Kerl zu sehen war?

Trolle gibt es schon wesentlich länger, als sich die nationale Tourismus-Branche darum kümmert. Sie gehören fest zum Sagen- und Legenden-Bestand des Landes, und die nordische Mythologie verortet sie ganz klar. Man denke sich das wie eine Art Drei-Schichten-Torte: Die Trolle und andere eher grobschlächtige Fabelwesen leben in Utgard. Die Welt darüber, Mitgard, wird von uns Menschen bewohnt. Dieses Weltbild krönt Asgrad, das Reich der edlen, reinen Asen, die man sich elfengleich vorstellen muss.

Doch irgendwie hat in Norwegen der Troll den Weg zu den Menschen gefunden, denn sonst wüssten wir ja nichts von ihm. Das Kämmen des zotteligen Haupthaars scheint bei ihnen nicht gerade beliebt zu sein, und vielen wächst am Hinterteil ein ansehnliches Schwänzlein mit Fellquaste. An den Händen soll er nur vier Finger haben, inklusive Daumen.

Nun muss man niemandem auf die Hände starren, um ihn als Troll zu entlarven – Trolle in Norwegen arbeiten für gewöhnlich nirgendwo, denn sie besitzen Gold in Hülle und Fülle. Außerdem nehmen sie es mit der Zeit sehr locker, pennen schon mal einige Jährchen (und werden locker bis zu tausend Jahre alt). Da fällt es schwer, in der Menschenwelt einen Job zu bekommen.

Deswegen schaue also eher, wer norwegische Trolle erleben will, draußen in der Natur – am besten im Wald – hinter großen Steinen, in hohlen Bäumen oder verheißungsvoll tiefen Erdlöchern. Wetten, dass Sie seltsame Spuren finden?

Trolle in Norwegen: Boten klassischer Kultur

Fündig werden Troll-Sucher aber auch in der klassischen Kultur. Unter den Norwegischen Volksmärchen, die ab 1841von Peter Christen Asbjørnsen und Jørgen Moe gesammelt und herausgegebenen wurden, spielen die legendären Kerle in 21 der fabelhaften Geschichten mit. Auch Schriftsteller wie Knut Hamsun haben sie literaturfähig gemacht, und in Henrik Ibsens Drama „Peer Gynt“ findet ebenfalls ein Troll Erwähnung. Kinderbücher, in denen Trolle mitspielen, füllen viele Regalmeter.

Klar, dass die kauzigen Wesen gern als Namenspaten verwendet werden. Eine ansehnliche Gebirgsregion in Mittelnorwegen heißt Trollheimen, eine Serpentinenstraße bei Andalsnes im Süden des Landes Trollstigen (Troll-Treppe), und ein Ölfeld in der Nordsee trägt ebenfalls den Namen Troll.

Wirklich begegnen kann man Trollen in Norwegen denn wohl doch am ehesten in den Souvenirläden: kein touristischer Kramladen, in dem man nicht knollnasige, oft langhaarige Wesen aus Plastik, Holz, Gummi oder ähnlichem erwerben könnte – in allen Größen. Fragen Sie vorher, wie wetterfest solche Gestalten sind, ehe ihr neuer Gartenzwerg beziehungsweise Gartenriese daheim beim ersten Regen Schaden nimmt. Allerdings erkennen Sie daran auch, ob es sich um Original oder Nachbau handelt: Einem echten Troll würde das nichts ausmachen.

Bild: Hunderfossen – Visitnorway.com