Jenseits des Polarkreises: Rentiermetropole Kautokeino

Eine Gemeinde, in der 100.000 Rentiere und nur 3000 Menschen leben und deren Fläche zehnmal so groß wie die Berlins ist. Kautokeino im äußersten Norden Norwegens ist in vielerlei Hinsicht bemerkenswert.

Die meisten der Einwohner gehören der Volksgruppe der Samen an, deren Mitglieder länderübergreifend den hohen Norden Skandinaviens bevölkern. Im Alltag hüten sie per Geländemotorrad, Quad oder Allrad ihre riesigen Rentierherden, die Fleisch und Felle liefern. Zu Festtagen feiern sie in ihren leuchtend blauen Trachten mit dem typischen roten Besatz an Schultern und Brust.

Ostern in Kautokeino: Kino aus Schnee

Das wichtigste Fest der Samen in der Region ist Ostern. Dann treffen sich Einheimische und Besucher unter anderem zum nördlichsten Filmfestival Europas, dessen Hauptattraktion ein komplett aus Schnee errichtetes Freiluftkino ist. Besucher mit weiter Anreise verfolgen die Filme direkt von Schneemobil oder Hundeschlitten aus. Touren durch die winterliche Landschaft auf Schlitten und Schneemobil sind, neben Langlauf, auch die wichtigsten Aktivitäten von Urlaubern in der kalten Jahreszeit, wenn sich das Polarlicht über dem Samenzelt zeigt.

Rentier, Vielfraß, Lemminge in Kautokeino: Norwegen in wild

Mehr Rentiere als Menschen, dazu das ganze Spektrum der Tierwelt jenseits des Polarkreises prägen die Natur. Die Finnmarksvidda, zu der Kautokeino gehört, ist das größte Hochplateau Norwegens. Birken- und Kiefernwälder sind typisch für die Tundra, wie man diese Landschaftsform nennt. Hier haben die wenigen Exemplare des Vielfraßes, der wie ein zu groß geratener Marder aussieht, ihre Heimat. Und die mausgroßen Berglemminge vermehren sich so lange, bis sie wegen Überbevölkerung in riesigen Herden auf Wanderschaft gehen. Dann ziehen die mit ihrem gelb- braun- weiß- und schwarz gemusterten Fell auffällig gezeichneten Tiere zu hunderten durch die Landschaft.

Land der 10.000 Seen

Auf dem Gemeindegebiet von Kautokeino waren die Gletscher sehr zahlreich, manche gibt es noch heute. Zu den Überresten aus der Eiszeit gehören die rund 10.000 Seen, die das Gebiet zu einem beliebten Angelziel machen. Dabei gilt, sich warm anzuziehen, im Sommer wie im Winter. In Kautokeino wurde 1886 Norwegens Kälterekord erreicht: Minus 51,4 Grad. Heute misst man im Jahresschnitt minus 2,4 Grad, im Januar sind es minus 17,1 und im Juli plus 13.1 Grad. Das sollten Reisende, die in Kautokeino Camping machen, bedenken, wenn sie für die Tour in den Norden packen. In dem dünn besiedelten Gebiet, wo man – wie fast in ganz Norwegen – dank des „Jedermannsrechts“ überall sein Zelt aufschlagen darf, hat die Nacht in der Natur einen besonderen Reiz.

Bild: Terje Rakke/Nordic Life – Visitnorway.com