Fjellnorwegens Kultur – von Dampfschiffen und Kunstmuseen

Dicke Wolken kündigen das Schiff an – Dampfwolken, die der Schaufelraddampfer auf dem Mjösasee ausstößt. Das 158 Jahre alte Schiff im Liniendienst ist nur eines von vielen faszinierenden Zeugnissen norwegischer Kultur, die es in Fjellnorwegen zu erleben gibt.

Höfe, Scheunen – und Kirchen

Die einen bewundern die Uralt-Technik, die anderen die Pünktlichkeit: Die „Skibladner“ ist der älteste im Linieneinsatz fahrende Schaufelraddampfer der Welt. Er wurde vor 158 Jahren gebaut und klappert heute jeden Sommer die kleinen Orte rings um den Mjösasee ab – von Lillehammer nach Moelv, dann weiter nach Gjövik, Hamar und Eidsvoll. Während die Dampfmaschine unermüdlich das Schaufelrad treibt und ein warmer Wind über das Wasser weht, gleitet die sommerlich-idyllische Szenerie vorüber – da fällt es leicht, sich in die Geschichte zurück zu träumen.

Geschichte ist gleichfalls ein großer Trumpf an Land – etwa in Maihaugen, dem Freilichtmuseum Lillehammers, das aus der im 19. Jahrhundert begründeten regionalen Sammlung eines Zahnarztes hervorging und heute fast 200 historische Gebäude aus dem benachbarten Gulbrandsdalen und eine unüberschaubare Vielfalt an alltäglichen Objekten, Werkzeugen und Utensilien präsentiert. Wer mag wohl in diesen Höfen gelebt haben? Wer mit dem alten Pferdewagen gefahren sein? Wer aß das Brot, das in diesem kleinen Backhaus entstand? Das hier versammelte Panorama von Fjellnorwegens Architektur fasziniert und verzaubert Groß und Klein.

Verzaubern: Das ist das Stichwort für ein ganz besonderes geschichtlich-kulturelles Erbe Fjellnorwegens – die Stabkirchen. Neun dieser faszinierenden Bauwerke aus dem 12. und 13. Jahrhundert sind erhalten. Sie geben nicht nur überragende Zeugnisse von Handwerkskunst ab. Wer sie aufmerksam betrachtet, entdeckt neben christlichen Symbolen auch Darstellungen aus der nordischen Mythologie, die unter anderem gegen das Verzaubern schützen sollten. Die eindrucksvollen Stabkirchen finden sich in Ringebu, Lom and Øye.

Fjellnorwegens Kultur – aus Glas und Beton gebaut

Doch auch die modernen Zeugnisse von Fjellnorwegens Kultur faszinieren die Besucher. Besonders lohnend ist der Abstecher zum Snöhetta-Aussichtspunkt am Rande des Dovrefjell-Massivs. Und man weiß nicht, was eindrucksvoller ist – der von den Architekten der Snöhetta-Gruppe entworfene Pavillon oder die Weite der Landschaft und das Gebirgspanorama, das man von den Aussichtsdecks genießen kann. Das Gebäude hat mehrere renommierte internationale Preise gewonnen, unter anderen 2011 den als „World Building of the Year“.

Die Moderne trifft dann schließlich in Lillehammer wieder auf die Geschichte, vereint im dortigen Kunstmuseum. Das in der Innenstadt am Storgata gelegene Gebäude ist ein länglicher Kubus, der über der Straße zu schweben scheint. Er wurde 1994 anlässlich der Olympischen Winterspiele ebenfalls nach Plänen der Snöhetta-Architektengruppe erbaut. Sein Inneres birgt drei ansehnliche Kunstsammlungen des letzten Jahrhunderts sowie wechselnde Ausstellungen auch moderner Werke. Ein Skulpturengarten öffnet dann das Kunsterlebnis wieder zur Natur.

Bild: Oplandske Dampskibsselskap. Fotograf: Brynjar Eidstuen