Richtig schön klettern: Norwegen für Alpinisten

Mit Steigeisen den gefrorenen Wasserfall entlang nach oben. Die höchste Wand Europas erklimmen. Gipfel sammeln – mit Fjordblick. Rund um die Uhr auf den Berg. Klettern in Norwegen ist so vielseitig wie kaum anderswo.

Die Granitwand bietet sicheren Halt. Gut 100 Meter tiefer leuchtet der Eidfjord in tiefem Blau. Westnorwegens Fjorde sind von spektakulären Felswänden eingerahmt, die Bergtouristen aus aller Welt anziehen. Langsam tastet sich der Kletterer nach oben. In Norwegen klettern die Bergsteiger „sportlicher“ als in den Alpen. Fest ins Gestein gebohrte Haken sind verpönt. Die Berge sollen ein bisschen erobert werden. Was nicht heißt, dass sich in Norwegen Bergsteiger nicht anseilen. Sie setzen nur auf andere, genauso haltbare Befestigungspunkte für ihre Seile – wie zum Beispiel Klemmkeile.

Klettern in Norwegen mit speziellem Reiz

Zwischen Kristiansand und Nordkap ist das ganze Jahr über Klettersaison. Im Sommer locken zum Beispiel die 260 Routen im Setesdal im Süden des Landes Kletterer jeder Leistungsstufe. Egal, ob man 20 oder 500 Meter überwinden will: Dort findet sich ein passender Platz zum Klettern in Norwegen. Oder Innerdalen, wo auf klassischen Gebirgsrouten Strecken der Schwierigkeitsgrade drei bis sechs zu absolvieren sind. „Sechs“ steht dabei für einen schwer zu überwindenden Überhang. Das alles ist aber nur das Vorspiel für die weiter nördlich gelegene Steilwand Trollveggen. Sie ragt 1000 Meter empor und ist die höchste senkrechte Kletterroute in ganz Europa. Hut ab für den, der sich da durchtraut. Hoch im Norden, auf den Lofoten etwa, ist im Sommer 24 Stunden am Tag klettern möglich. Dann spiegelt sich die Mitternachtssonne im Meer – am besten von einem der vielen Gipfel auf der Inselgruppe zu bewundern. Im Winter wiederum, wenn am Polarkreis ewige Nacht herrscht, frieren in Süd- und Westnorwegen ganze Wasserfälle ein. Dann heißt es, sich warm anzuziehen und mit Steigeisen und Eispickel die bizarren Eisformationen senkrecht nach oben zu überwinden. Eisklettern ist in der Telemark beliebt, aber auch am Eidfjord und am Sognefjord.

Bergsteigen in Norwegen: Künstliche Kletterparadiese

Klettern war in Norwegen nicht immer Sport oder Selbstzweck. In Odda zum Beispiel haben 1906 mutige Arbeiter die Rohre des Wasserkraftwerks an eine Steilwand über dem Tyssefjord gebaut. Heute können Touristen gut gesichert den Leitungen bergauf folgen. Kletterer, denen es vor allem um den Spaß geht, sind wiederum im größten Kletterpark Skandinaviens gut aufgehoben. „Høyt og Lavt“, was auf Deutsch hoch und weit bedeutet, nennt sich das Areal in der Provinz Vestfold, und es bietet in die Natur eingepasst Seilrutschen, Flussquerungen und Routen unterschiedlichen Niveaus.

Bild: Anders Gjengedal – Visitnorway.com