Nach Norwegen zum Eisklettern

Ein raues Land – mit ganz eigenem Charakter. Das man in seinen ureigenen Facetten am besten kennenlernt, indem man sich voll und ganz darauf einlässt. Zum Beispiel auf den nordischen Winter – beim Eisklettern in Norwegen.

Sport für Abenteuerlustige

Gefragt sind gute Kondition, Erfahrung im felsigen Gelände und natürlich die richtige Ausrüstung –dann kann er losgehen, der Aufstieg auf einen gefrorenen Wasserfall. Kleine Fontänen aus Eisstückchen glitzern in der Wintersonne, wenn sich die spitzen Eisen der Stiefel in das gefrorene Wasser graben. Am Seil gesichert, werden dort Haken in die kalte Oberfläche geschlagen, wo Hände und Füße sonst keinen Halt mehr finden. Aber Vorsicht, beim Eisklettern heißt es umdenken: Wo Felsvorsprünge einem Sommerkletterer noch guten Griff bieten, kann man an Buckeln und Nasen im Eis blitzschnell abrutschen. Statt talkumgepuderter kräftiger Fingerspitzen kommt nun der Eispickel zum Einsatz.

Generell ist Sicherheit oberstes Gebot, und so geht kaum ein Eiskletterer ohne erfahrenen Führer in die frostige Wand. Das gilt sogar für erfahrene Alpinisten – Aufstiege auf gefrorene Wasserfälle sind ein ganz eigenes Metier, und man lernt hier beim Eisklettern in Norwegen garantiert viel Neues dazu. Versierte Kletterführer in Norwegen zu finden, ist kein Problem.

Wer sich in die eisige Wand wagt, wird für die Anstrengungen auf ganz besondere Weise belohnt: Ist der Aufstieg geschafft, schweift der Blick weit über Norwegens Bergwelt, über schroffe Felszinnen und gleißend weiße Ebenen, auf denen sich das Sonnenlicht tausendfach spiegelt. So kräftezehrend Eisklettern auch sein mag – hat man den Aufstieg bewältigt, ist das Glücksgefühl riesig!

Große Auswahl der Ziele

Norwegen kann sich zahlreicher Wasserfälle rühmen – die im Winter natürlich gefrieren und damit eindrucksvolle Eiskletter-Ziele bilden. Der Wasserfall Hydnefossen in Hemsedal bietet verschiedene Routen und ist auch für Anfänger geeignet. Eidfjord nahe des Hardangerfjords kann mit Routen aller Schwierigkeitsgrade aufwarten. Laerdal am Sognefjord ist ebenfalls für seine Routen-Vielfalt bekannt. Und schließlich Norwegens Norden: Ob auf den Lofoten, in der Umgebung von Bodö oder in den Lyngenalpen gibt es mehr vereiste Kletterrouten, als selbst Enthusiasten in einer Saison bewältigen können.

Doch an der Spitze der Beliebtheitsskala liegt Rjukan: Im 3500-Seelen-Ort im Vestfjord-Tal in der Region Telemark zwei Stunden westlich von Oslo ist das Eisklettern auf dem 105 Meter hohen Rjukanfossen die Wintersport-Attraktion schlechthin. Seine gute Erreichbarkeit hat gewiss dazu beigetragen, dass sich Ort und Umgebung zum Mekka der europäischen Eiskletterer entwickelt haben. Hier trifft man von Ende Oktober bis Anfang April Gleichgesinnte, denen man nicht erst die Faszination an diesem Extremsport erklären muss; hier kann man fachsimpeln und Begleiter für den nächsten Auf- oder Abstieg finden. Kein Wunder, dass jedes Jahr im Februar sogar ein Eiskletter-Festival veranstaltet wird.

Eisklettern in Norwegen hat inzwischen seinen festen Platz auf der Liste der Wintersport-Attraktionen. Die Hotels, Pensionen und Hüttenbetreiber sowie die Restaurants der jeweiligen Regionen sind auf Eiskletterer eingestellt – kräftig-deftiges Essen und warme Getränke gibt es überall.

Neugierig geworden? Dann probieren Sie mal aus, wie gefrorene Wasserfälle erstiegen werden. Bester Einstieg sind geführte Touren, die der Norwegische Wanderverein organisiert. Und das Schöne: Wasserfälle gefrieren jeden Winter anders – Eisklettern in Norwegen bietet auch in vermeintlich bekanntem Terrain immer wieder neue Herausforderungen.

Bild:Anders Gjengedal – Visitnorway.com